Stärkung von Körperwissen, Selbstvertrauen und Selbstbehauptung bei Mädchen und jungen Frauen – und warum es heutzutage so wichtig ist
Der Workshop „Trust your Body“ – „Mein Körper. Punkt.“ richtet sich an weiblich gelesene Kinder und Teenager im Alter von 8 bis 17 Jahren und verbindet Aufklärung über Körper, Zyklus und Menstruation mit Selbstwahrnehmung, Selbstbehauptung und einfachen Formen der Selbstverteidigung. Gerade in der heutigen Zeit ist ein solches Projekt besonders wichtig, da die Menstruation trotz gesellschaftlicher Fortschritte weiterhin stark tabuisiert ist. Eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt, dass 85 % der befragten Frauen zwischen 14 und 50 Jahren den Eindruck haben, dass in der Öffentlichkeit kaum über Menstruation gesprochen wird; 91% sind der Meinung, dass zu wenig über die Auswirkungen von Zyklus und Hormonen auf die Gesundheit informiert wird. Diese Zahlen verdeutlichen den bestehenden Aufklärungsbedarf.
Die Periode gehört zur Pubertät – und die Pubertät gehört zum Erwachsenwerden. In dieser Phase verändert sich der Körper grundlegend, begleitet von körperlichen und emotionalen Prozessen. Der Zyklus beeinflusst unter anderem Stimmung, Energielevel, Schlaf und Libido. Dennoch erleben viele junge Menschen Unsicherheit oder Scham. Tabuisierung führt dazu, dass Menstruation als „unangenehm“ oder „peinlich“ wahrgenommen wird. Scham kann das Selbstwertgefühl mindern und den Eindruck vermitteln, mit dem eigenen Körper stimme etwas nicht. Genau hier setzt der Workshop an: Er schafft einen schamfreien Raum, in dem Zusammenhänge verständlich erklärt werden, Austausch möglich ist und Wissen Sicherheit gibt. Ziel ist es, Menstruation als das zu begreifen, was sie ist – eine natürliche und gesunde Körperfunktion.
Darüber hinaus geht es um Selbstwahrnehmung und das bewusste Erkennen eigener Grenzen. „Nein heißt nein“ und „Ja heißt ja“ sind zentrale Botschaften. Junge Menschen lernen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, Grenzen zu setzen und diese auch klar zu kommunizieren. Die Verbindung von Aufklärung und Selbstverteidigung stärkt nicht nur das Wissen über den eigenen Körper, sondern auch das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Ein Schutzkonzept bildet dabei den pädagogischen Rahmen und sorgt für einen sicheren Lernort.
Besonders wichtig ist es, Kinder bereits ab dem 8. Lebensjahr altersgerecht aufzuklären. Die Pubertät beginnt heute häufig früher als noch vor einigen Jahrzehnten, körperliche Veränderungen setzen teilweise schon im Grundschulalter ein. Wenn Kinder erst dann Informationen erhalten, wenn die erste Menstruation bereits eingesetzt hat, erleben sie diese Veränderung nicht selten mit Verunsicherung oder Angst. Frühzeitige Aufklärung schafft hingegen Sicherheit, Orientierung und Vertrauen. Sie vermittelt: Was mit meinem Körper passiert, ist normal und gesund.
Darüber hinaus entwickeln Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren zunehmend ein Bewusstsein für ihren Körper, für Schamgrenzen und für soziale Rollenbilder. Werden Themen wie Zyklus, körperliche Veränderungen und persönliche Grenzen frühzeitig und selbstverständlich angesprochen, können sich falsche Vorstellungen, Mythen oder beschämende Zuschreibungen gar nicht erst verfestigen. Präventive Bildungsarbeit bedeutet, Kinder zu stärken, bevor Unsicherheiten entstehen.
Auch im Hinblick auf Grenzsetzung und Selbstschutz ist frühe Sensibilisierung entscheidend. Kinder, die ihre Körperteile benennen können, wissen, dass „Nein“ ein vollständiger Satz ist, und ihre eigenen Gefühle ernst nehmen dürfen, sind besser in der Lage, Grenzverletzungen zu erkennen und sich Unterstützung zu holen. Ein altersgerechter Zugang zu Körperwissen und Selbstbehauptung wirkt daher präventiv und stärkt langfristig Selbstvertrauen und Selbstbestimmung. Frühe Aufklärung ist somit kein „Vorfeldthema“, sondern eine zentrale Grundlage für eine gesunde körperliche, emotionale und soziale Entwicklung.
Im Jugendalter ist das Thema besonders wichtig, weil junge Menschen sich mitten in einer intensiven Phase körperlicher, emotionaler und sozialer Veränderungen befinden. Der eigene Körper verändert sich sichtbar, Beziehungen gewinnen an Bedeutung, erste romantische und sexuelle Erfahrungen entstehen – gleichzeitig wächst der Druck durch soziale Medien, Schönheitsideale und gesellschaftliche Erwartungen.
Gerade in dieser Zeit prägen sich Selbstbild, Selbstwertgefühl und der Umgang mit eigenen Grenzen nachhaltig aus. Wer den eigenen Zyklus versteht, körperliche und hormonelle Zusammenhänge einordnen kann und gelernt hat, „Nein“ zu sagen und „Ja“ bewusst zu meinen, entwickelt mehr Sicherheit im Umgang mit sich selbst und anderen. Das stärkt nicht nur die Gesundheit, sondern wirkt auch präventiv gegenüber Grenzverletzungen und riskanten Situationen.
In einer Zeit, in der gesellschaftliche Erwartungen, digitale Körperbilder und Leistungsdruck zunehmen, ist es entscheidend, weiblich gelesene Kinder und Jugendliche frühzeitig zu stärken. Der Workshop leistet einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung von Menstruation, zur Förderung von Selbstvertrauen und zur Prävention von Grenzverletzungen. Er vermittelt: Mein Körper ist richtig. Ich darf Fragen stellen. Ich darf Grenzen setzen. Und ich kann lernen, mich zu behaupten.
Literatur/ Quellen
https://kulmine.de/magazin/zyklus/warum-zykluswissen-wichtig-fuer-dich-ist/ https://femalign.de/blogs/the-period-perspective-blog/zykluswissen-ist-politisch https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/frauengesundheit https://oberbergkliniken.de/artikel/koerperbewusstsein-selbstwertgefuehl-bei- jugendlichen https://www.deutschlandfunk.de/menstruation-periode-zyklus-scham-stigma-tabu- 100.html?utm_source
https://www.schau-hin.info/sicherheit-risiken/medialer-koerperkult-gefaehrliche-ideale https://www.klicksafe.de/news/studie-schoenheitsideale-im-internet https://www.geo.de/wissen/gesundheit/vorpubertaet--was-eltern-wissen-sollten- 30179394.html https://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/9783621274777.pdf